Medjugorje: Die dunkle Seite
Von Arkanum
Wer kennt sie nicht, die gerade in der Vorweihnachtszeit angebotenen "Wallfahrten nach Medjugorje" in Bosnien-Herzegowina? Von vielen Bekehrungen, von Offenbarungen der Muttergottes, gar dem Beichtstuhl Europas ist die Rede. Die Zahl der Pilger geht jedes Jahr in die Millionen. Auf kreuz.net ist das Thema ein heißes Eisen, auf kath.net wird Medjugorje gar wie pures Gold angepriesen. Aber ist alles, was glänzt, auch Gold?
Ist Medjugorje überhaupt ein Wallfahrtsort?
Betrachten wir zur Einführung den Begriff "Wallfahrt". Das ist in der katholischen Kirche eine Pilgerreise zu einem von der Kirche nach Abschluß eines förmlichen Verfahrens anerkannten Wallfahrtsort. "Inoffizielle Wallfahrtsorte", ein von Medjugorje-Anhängern gerne und häufig verwendetes Konstrukt, kennt das Kirchenrecht nicht. Wozu überhaupt ein solches Konstrukt?
Dazu muß man wissen, wer eine solche Anerkennung durchführen kann. Die Entscheidung liegt zunächst beim Ortsbischof, aber der Papst kann sie an sich ziehen. Papst Johannes Paul II hat das im Fall Medjugorje getan. Bis heute hat kein Papst (und auch kein Ortsbischof der für die Pfarrei Medjugorje zuständigen Diözese Mostar/Duvno) eine Anerkennung als Wallfahrtsort ausgesprochen. Selbst private Pilgerreisen zur Kirche oder Gebetsstätte sind nur unter der Prämisse, daß sie sich nicht an den behaupteten Erscheinungen orientieren, gestattet. Berücksichtigt man die päpstliche Universaljurisdiktion, und damit den Papst als obersten Entscheidungsträger, gilt für Katholiken: Medjugorje ist kein Wallfahrtsort!
Sind die "Erscheinungen" kirchlich anerkannt?
Auch hier ist die Antwort ein klares Nein. Eine abschließende Entscheidung kann die katholische Kirche erst nach Ende der Erscheinungen treffen; nun setzen sich diese aber sozusagen in einer Endlosschleife im dritten Jahrzehnt fort, was von keinem anderen Erscheinungsort bisher auch nur behauptet wurde. Ein Narr, der Böses dabei denkt…
Schon jetzt ist aber offenkundig, daß nicht alle Botschaften der "Gospa" (kroatisch: Frau, gemeint ist Maria) mit katholischer Lehre vereinbar sind. Die Botschaft vom 1.Oktober 1981 behauptet beispielsweise, vor Gott seien Angehörige aller Religionen gleich, während die katholische Kirche die Taufe -mithin den Kircheneintritt- als heilsnotwendig ansieht.
Hinzu kommen einige offenkundige Lügen der angeblichen Seher, eine davon sogar unter Eid gegenüber dem vormaligen Bischof Pavao Žanić geäußert. Das Ortsbistum hat dazu eine ausführliche Stellungnahme des gegenwärtigen Bischofs Ratko Perić veröffentlicht. Dort ist von Lügen die Rede, von Betrug, gar davon, daß ein altkatholischer Diakon als "römisch-katholischer Bischof" aufgetreten war und eine ungültige "Firmung" für 800 Jugendliche gespendet hatte.
Nicht nur in Medjugorje selbst gab es fragwürdige "Erscheinungen". Die Bluttränen, die eine von dort mitgebrachte Gipsmadonna geweint haben soll, stellten sich bei einer Untersuchung der Staatsanwaltschaft im italienischen Civitavecchia als Männerblut heraus. Der Besitzer der Statue verweigerte die Abgabe einer Blutprobe zu Vergleichszwecken: Ein Narr, der Schlimmes…?
Im Bosnienkrieg
Anhänger der "Gospa" stellen Medjugorje gerne als Oase des Friedens dar. Nur Gutes sei von dem Ort inmitten der Schlächterei ausgegangen. Davon stimmt zumindest, daß Medjugorje nie von den serbischen Aggressoren erobert wurde, sondern dem international nicht als Staat anerkannten Gebiet Herceg-Bosna angehörte. Der Medjugorje-Radiosender Radio Mir (Frieden) entstand in Zusammenarbeit mit dem Sender Radio Herceg-Bosna.
Wie weit war es aber wirklich her mit Mir in der Oase des Friedens? Leider wird auch dieser Teil der Geschichte oft durch Unvollständigkeit entstellt, so daß er zur Selbstdarstellung paßt. Solches nennt man gerne beschönigend "Revisionismus"; der Volksmund drückt sich deutlicher aus.
Wenig bekannt ist beispielsweise, daß auf einem Grundstück der herzegowinischen Franziskanerprovinz -sie kontrolliert die Pfarrei- in einem Medjugorjer Vorort die Miliz des Warlords Zdravko Primorac ihre selbstentwickelten Splittergranaten testen ließ; eine blutige Fehde zwischen mehreren einheimischen Clans forderte mehr als 100 Todesopfer. Die Universität New York hat einen umfangreichen Bericht des Amsterdamer Professors Mart Bax zu diesen Themen veröffentlicht.
Und nach dem Krieg?
Laut dem in Medjugorje erschienenen Pressebulletin N°142 hatte Medjugorje-Priester Slavko Barbarić die in Den Haag vom Internationalen Strafgerichtshof inhaftierten kroatischen Kriegsverbrecher als "gute und edle Menschen" verherrlicht; auch von kirchlicher Seite erntete er dafür harsche Kritik.
Nur ein Jahr später, 2001, stellte sich heraus, daß die unter anderem von der Franziskanerprovinz Mostar gegründete Hercegovačka Banka zahlreiche Konten der schon nach dem Friedensvertrag von Dayton 1996 offiziell aufgelösten Miliz Hrvatsko vijeće obrane geführt hatte. Die Reaktion der bosnischen Polizei und der internationalen Friedenstruppe war schnell und konsequent: Die Bank - ein Hauptkanal für Medjugorje-Spenden - wurde geschlossen, umfangreiche Geldbeträge wurden beschlagnahmt, zahlreiche Strafverfahren unter anderem wegen Geldwäsche und Unterminierung staatlicher und militärischer Autorität eingeleitet. Bei den Razzien wurden mehrere Polizisten schwer verletzt; der Banktresor mußte mit Sprengladungen geöffnet werden. Bis heute sind nicht alle Aspekte des Falles geklärt, erhebliche Geldbeträge bleiben verschwunden. Der örtliche Politiker Ante Jelavic, zu 10 Jahren Haft verurteilt, nutzte einen Freigang, um sich nach Kroatien abzusetzen.
Und vor wenigen Wochen erst erwies sich, daß auch der alljährlich stattfindende Friedensmarathon "Kup Karmel" seine entschieden unfriedliche Kehrseite hat: Im Ehrenausschuß arbeitet der Pfarrer von Medjugorje, Ivan Sesar, mit dem Rechtsrocksänger Marko Perković zusammen. Die Spezialität seiner Band Thompson: Haßgesänge, in denen der Terror der kroatischen Faschistenpartei und deren Konzentrationslager Jasenovac verherrlicht wird. Gar keine Berührungsängste mehr in der "Oase des Friedens"?
Es prüfe, wer sich bindet - und sei es auch nur für die Dauer einer "Wallfahrt", die gar keine ist.



von kreuz.net natürlich nicht vorenthalten! Das Ergebnis ist genau jenes, das wir erwartet hatten.

das
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